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466 Kommentare
Hyperlinks (am Ende des Abschnitts aufgeführt) sind allerdings auch ein zentrales Elemente von Facebook-Updates und Tweets, bzw. auch von statischen Websites.
Die Zuwachsrate stagniert? Eine kleiner, aber umso stärker etablierte Blogosphäre ist übriggeblieben? Anhand welcher Daten/Beobachtungen werden diese Aussagen getroffen? Lassen sich diese Aussagen quantifizieren? Gibt es hierzu Untersuchungen? Das wäre interessant zu wissen.
In diesem Absatz wird ein grundsätzliches Problem aufgeworfen, dass sich bei Sozialforschung generell stellt, in digitalen Medien (nicht nur bei Blogs und nicht nur bei computergestützter Analyse) durch die Verschiebungen der Grenzen von Öffentlichkeit und Privatheit und von individuellem und allgemeinen Anspruch auf geistiges Eigentum akzentuiert. So stellt sich ganz generell die Frage, ob Autor/innen von Blogs qua Publikation in ihrem Blog ihr Einverständnis zur Weiterverarbeitung der publizierten Inhalte in maschinellen Analysetools erteilen. Dies liesse sich analog etwa auch auf Leserbriefe in Zeitungen oder auf Strasseninterviews im Fernsehen ausweiten - wozu genau gibt man mit der "Veröffentlichung" einer eigenen Aussage sein Einverständnis? Und wann ist die Aussage eigentlich "öffentlich". Hat man das Anrecht, dass ein Gespräch in einem Restaurant privat bleibt - oder darf ein Forscher, der am Nebentisch sitzt, das was er hört für Forschungszwecke verwenden - oder das laute Telefongespräch im Zug? Hierzu gibt es ja bereits einen ethisch-methodologischen Diskurs, bspw. zur Frage des offenen oder verdeckten Beobachtens in der Sozialforschung, wo etwa Atteslander (Methoden empirischer Sozialforschung, Berlin et al. 2003 - für verdeckte Beobachtung) oder Girtler (Methoden qualitativer Sozialforschung, Wien et al. 1984 - gegen verdeckte Beobachtung) unterschiedliche Auffassungen vertreten. Auch wenn sich hier bei computergestützten Analysen von Blogs Skalenprobleme ergeben (denn es ist einfacher, in der "analogen" durch Vorabinformation des Feldes zu einer ethisch - wie ich finde - weniger problematischen offenen Beobachtung zu gelangen als in einem potenziell unabgeschlossenen Netzwerk von Blogs), so sind doch gerade die Tools, die zur Analyse taugen mit etwas Einfallsreichtum auch für entsprechende Lösungen der Stichproben-Legitimierung einsetzbar: Wenn es Möglichkeiten gibt, Links zu verfolgen und Inhalte zu "scrapen" - wieso können solche Forschungsprojekte nicht vorgängig im beforschten Feld (Netzwerk) bekanntgemacht werden und/oder die Blogbetreiber nicht automatisiert über den Vorgang informiert und ihnen eine "Opt-Out"-Möglichkeit zur Verfügung gestellt werden, mit der sie ihre Daten aus dem Datenkorpus ausschliessen können? So gesehen finde ich den Hinweis auf "hohe Komplexität" und den Verweis auf die aktuellen Debatten bezüglich Ethik bei Online-Forschung etwas kurz gegriffen.
RE: "schlussendlich" (schweizerisch) wird nur adverbial verwendet
Ich bin sogar dar Auffassung, dass gar keine Forschungsinstrumente gedankenlos verwendet werden sollten, egal ob sie computergestützt und leistungsfähig sind....
Das bei der Analyse von Blogpost nur sehr mittelbar auf die Intentionen oder gar Persönlichkeiten von Bloggern geschlossen werden kann, scheint mir erkenntnistheoretisch und methodologisch evident zu sein. Es ist ja sogar denkbar, dass eine konkrete Blogging-Praxis im Lichte einer Netzwerkanalyse sogar Befunde zu Tage bringen kann, die sich konträr zu den Intentionen der Blogger/innen (so sie denn bekannt sind) darstellen.
Ausserordentlich einleuchtendes Argument, bzw, wichtiger Vorbehalt. Wäre interessant, das an einem konkreten Beispiel aus der Analyse von Blogs illustriert zu sehen.
Hochgradig anregender Beitrag - die Bedeutung des "computational turn" ist in den Geistes- und Kulturwissenschaften generell noch zu wenig durchdacht und diskutiert worden. Der Beitrag kann die Möglichkeiten der Auswertung anschaulich zeigen, auch die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, zum Beispiel, wenn es darum geht, eine Lösung für unterschiedliche Bedeutungen von Links zu generieren - gleichsam eine algorithmische Lösung für die Semantik von Hyperlinks. Was mir hingegen nicht so richtig klar wird: Inwiefern haben wir es bei Blogs mit spezifischen Formen von Hypertext zu tun? Oder anders formuliert, zu welchen Einsichten hofft man mittels einer computergestützten Analyse von Blog-Einträgen zu kommen, die sich von Einsichten zu anderen Typen der Internet-Kommunikation unterscheidet? Die Fokussierung des Erkenntnisinteresse (und damit des Untersuchungsdesigns) auf Links, deren maschinelle Auswertung in Graphen abgebildet und netzwerktheoretisch analysiert werden kann, erscheint naheliegend. Doch welche Erkenntnisse erhoffen sich die Autoren daraus zu gewinnen, abgesehen von der Einsicht (angelehnt an das politologische Beispiel, das sie vorbringen), dass die Wissenschafter auch in der Blogosphäre zur Lagerbildung neigen und konträre Meinungen nicht zur Kenntnis nehmen? Das wäre immerhin eine interessante, wenngleich nicht sonderlich neue Hypothese, die als solche formuliert werden und in eine konkrete Untersuchungsanlage überführt werden könnte. Insgesamt mangelt es den Ausführungen daher an Konkretheit in Bezug auf mögliche Erkenntnisse in Bezug auf Blogs, was durchaus bedauerlich ist. Worin bestehen beispielsweise Unterschiede zur Analyse von Tweets oder Facebook-Posts? Dies wird in der Möglichkeit der Berücksichtigung von Inhalten (von welchen es in Blogs mehr auszuwerten gibt) nur angedeutet. Der Beitrag erörtert stattdessen vor allem die zu beachtenden Schwierigkeiten beim Anwenden eines computergestützten Auswertungsvorgehen, was er nicht zu Unrecht tut, aber den Leser doch etwas unbefriedigt zurück lässt.
Die Problematik der mangelnden Nutzung von Interaktionsmöglichkeiten ist nicht nur ein Problem von Online-Angeboten. Auch an wissenschaftlichen Tagungen scheint der öffentliche Diskurs nicht so wichtig zu sein, dass man ihm mehr Platz einräumt also die obligaten "wenigen Minuten, in denen noch 2 Fragen aus dem Publikum beantwortet werden können".
Kernproblem ist und bleibt die Prämierung des Schreibens im Blog. Die Scientific Community tut dies noch nicht - oder ist ein Fall bekannt, wo ein Stellenanwärter auf eine akademische Stelle nach seinen Blogposts (oder sogar -Kommentaren) gefragt worden ist? Dafür wäre aber zunächst zu entscheiden, welchen Wert die Blogs für den wissenschaftliche Diskurs nicht nur potentiell sondern konkret haben - dafür müssten die Blogs aber gelesen werden, wovon sich die meisten dispensieren, weil es ja eh nicht so bedeutsam sei. Ein Teufelskreis. Gleiches wäre für die Kommentierung (siehe oben) zu sagen: Keine Prämierung.
Und wenn ich an die Debatten rund um Kreationisten/Evolustionstheoretiker denke, bin ich auch nicht sicher, ob es sich hier ausschliesslich um ein Problem der Geisteswissenschaften handelt.
Sehr trefflich formuliert - ein paar Gedanken und Hinweise zur Theorie der digitalen Geschichtsschreibung wären hier sehr willkommen, denke ich.
Die zuoberst zitierten Netiquette-Standards sind ja keine Standards, die spezifische für wissenschaftliche Kommunikation geschrieben wurden (die Autorin Sally Hambridge hat damals bei Intel gearbeitet), sondern eher für eine stressfreien Umgang von Netz-Usern verschiedener Herkunft. Weder bieten diese Netiquette konkrete Auskunft zum Verhalten des speziellen Mediums "Blog", noch zur speziellen Nutzung "Wissenschaft"
Ein "No-Go"? Das ist doch eine etwas sehr zugespitzte Paraphrase von Scheloske...
Interessant. Ist es nicht so, dass Blogs gerade eben die Grenze zwischen "privater" und "öffentlicher" Kommunikation, zwischen Notizen und noch nicht ganz druckreifen Gedanken und veröffentlichten Statements nachhaltig verwischen? Spricht nicht gegen die These, dass Blogs zu Wissenschaftskommunikation gehören; ist allenfalls eine Akzentuierung (oder Differenzierung), dass es sich v.a. um Wissenschafter-Kommunikation handelt. Die Personalisierung scheint mir ein relevanter Aspekt dieses Mediums und mithin auch zu beachten bezüglich der Frage des "(Auf)-Schreibsystems Wissenschaft", das in Blogs eben nicht ganz so entpersonalisiert, formalisiert und standardisiert sich artikuliert wie sonst im gedruckten Wissenschaftsbetrieb...
Sehr geehrter Herr Kohle Natürlich freut mich, dass Sie den Artikel anregend finden. Jedoch muss ich Ihnen in Ihrer Einschätzung, wonach der Satz "Fragmentierung ist Voraussetzung für Vernetzung" die Kernaussage des Beitrags ausmache, leider widersprechen. Fragmentierung, so die Intention meiner Aussage, ist nicht glückliche Voraussetzung für das Gelingen von Vernetzung, als überaus erstrebenswerter Anordnung von Informationseinheiten - Vernetzung ist vielmehr ein Behelf, die zerstreuten und damit nicht nutzbaren Informationen in eine sinnvollen und nutzbaren Zusammenhang zu stellen. Gerade bezüglich der der Geschichtsschreibung treibt mich nun die Frage um: Wie kann aus Fragmenten oder fragmentarischen Texten Geschichte entstehen? Hier fehlt - trotz aller Euphorie des kollaborativ erstellten, "bottom-up" zusammengefügten und hochgradig vernetzten Inhalts - eine klare Vorstellung davon, was vernetzte, bzw. netzartige Geschichtsschreibung sein soll - und sein kann. Wenn die Entscheidung der konkreten narrativen Anordnung bei der Rezeption beim Lesenden bleibt - wie können Erkenntnisse, die mehrere "Informationseinheiten" übergreifend entstehen müssten, erworben werden, wenn die Leser/innen diese nicht schon kennen und die Optionen der Verlinkungen entsprechend wählen? Die inhärente Paradoxie von Linearität (chronologische Abfolge) und Modularität (VErnetzung und ERgebnisoffenheit) ist m.E. der Grund, warum Weblogs nicht für Geschichtsschreibung genutzt werden - sondern nur für Reflexionen, Meta-Dsikussionen und -Mitteilungen, sowie (allenfalls) in sich geschlossenen Miszellen.