Oldenbourg Verlag
Die Wissenschaftsverlage der Oldenbourg Gruppe
Akademie Verlag
You must be logged in to write a comment.

Login

Create Account

show all (17)
There are no comments. Click the text to your left to make a new comment.

Oh that’s really bad news:
Die FAZ-Redaktion hat Uwe Walter soeben mitgeteilt, dass sein Blog “Antike und Abendland” zum Monatsende eingestellt wird.
http://faz-community.faz.net/blogs/antike/archive/2012/11/20/beschneidung-ein-nachtrag.aspx
.
Also gibt es jetzt, so weit ich sehe, im deutschsprachigen Raum keinen einzigen fortlaufenden geschichtswissenschaftlichen Blog mehr.

Vielleicht ist es ja so, dass wir im deutschen Sprachraum heute erst eine kleine Gruppe von blogenden Historiker/innen haben mit einem sehr beschränkten, aber doch stetig wachsenden Kreis von Leser/innen. Den Schritt, selber auch zu kommentieren, wagen viele nicht zu machen. Jungakademiker/innen vermutlich nicht, weil sie fürchten, als unseriös zu gelten und weil sie davon ausgehen, dass Blog-Aktivitäten zu einem Reputationsabschlag führen. Und gestandene Historiker/innen wollen sich wohl in Kollegen/innenkreisen nicht den Verdacht aufkommen lassen, möglicherweise unterbeschäftigt zu sein.

Würde gerne noch viel mehr loswerden, will aber auch nicht zum Alleinunterhalter werden. Darum schreib ich von jetzt an nur noch dann, wenn zwischendurch jemand antwortet. Es soll ja ein Blog sein, wo man miteinander spricht und nicht immer nur einer allein.
Nur so viel noch schnell: Schaut Euch nochmal Uwe Walters Blog an: KEINE Kommentare. Trotz aktueller Themen: Lateinunterricht und die Integration von Moslems.
Keiner, dem dazu irgendwas einfällt! Wieviele klassische Philologen es in D wohl gibt? Aber keiner findet die Zeit, Herrn Uwe Walter mit ein paar Zeilen zu unterstützen und den Skeptikern zu erklären, warum man trotz allem noch Latein unterrichten muss.
Woran kann das nur liegen?

Diesen Artikel hier finde ich sehr spannend:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/graduiertenkollegs-buecher-dass-er-nicht-lacht-11943953.html
Eigentlich bin ich ja sehr für Open Access. Allerdings sollte das Ziel (genau wie bei Blogs) darin bestehen, dem Leser, dem Nutzer, der Wissenschaft den Zugang zu erleichtern. Und nicht darin, dem Autor mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen als er eigentlich verdient. Genau mit diesem Versprechen aber wird das Ding von den Exzellenzverklasterten in Heidelberg gehypt, gepusht und promotet: “Stell Dich in Netz, dann klicken Dich alle an und halten Dich am Ende noch wirklich für exzellent.”

    Und hier Sebastian Gießmanns Replik auf den FAZ-Artikel: http://gab.hypotheses.org/392

      Sehr unsouverän: “Ihr seid alt und verstaubt und gegen alles Neue. Ausserdem verbitten wir uns diesen Tonfall”.
      Dabei hatte mir gerade das am Artikel so gut gefallen: Die muntere Frechheit, mit der Reibold diesen teuren Event-Zirkus lächerlich macht. Genauer gesagt: Die sowieso vorhandene Lächerlichkeit erst Sichtbar macht. Für ein Publikum, das sich an so was offenbar längst gewöhnt hat.
      Zurück zum Thema: Open Access. Ja, brauchen wir! Meiner Meinung nach sollten alle wissenschaftlichen Monographien des 20. und frühen 21. Jh. frei im Netz verfügbar sein.
      Das ist keine Utopie, es wäre machbar. Etwa nach dem Vorbild der Nationallizenzen oder JSTOR.
      Aber es ist auch klar, dass das nur der Staat machen kann (in dem er den Verlagen die Verwwertungsrechte abkauft).
      Also müssten da jetzt das BMBF, die DFG, etc. pp. tätig werden. Sind sie aber bisher leider nicht geworden. Also müsste man sich jetzt überlegen, wie man sich dort für ein solches Projekt am besten einsetzen könnte. Aber was tun Ihre Exzellenzen stattdessen? Sie holen für viel Geld einen Guru aus Kalifornien, damit der dann den armen Kids das Märchen erzählt, dass sich ihre Karrierechancen verbessern, wenn sie ihre Dissertation auf dem Uni-Server veröffentlichen anstatt bei einem angesehenen Verlag. Nach meiner Efahrung trifft das genaue Gegenteil zu.

Hoffentlich war ich nicht allzu negativ.
Prinzipiell glaube ich, dass ein Geschichtsblog bei einem größeren Publikum Erfolg haben könnte. Aber dazu müssten, wie mir scheint, folgende Bedingungen gegeben sein:
1. Es müssen dort regelmäßig neue Texte erscheinen, mindestens einmal die Woche.
2. Es müsste flüssig geschrieben sein, nicht im akademischen Duktus. Kein Zeitschriftenartikel und kein Festvortrag. Keine Zweitverwertung von anderswo schon gehaltenen Vorträgen.
3. Der Autor müsste eine Position vertreten, die bei manchen auch Widerspruch erweckt.
4. Er müsste auf die Kommentare, so endlich welche kommen, dann auch eingehen. Er müsste Fragen beantworten. Am besten einmal am Tag.
5. Er müsste sich dazu viel viel Zeit nehmen.
6. Er müsste “hart im Nehmen” sein und dürfte nicht bei jeder Kritik gleich einschnappen.
7. Er sollte dort — anders als hier — auch Kommentieren unter Pseudonym erlauben. Er müsste dann aber alle Kommentare vor Freischaltung gegenlesen und etwaige persönliche Angriffe, etc., zensieren.

Unter diesen Umständen könnte ein Blog im deutschsprachigen Raum wohl Erfolg haben und am Ende zu so etwas werden wie einem meinungsbildenden Forum der Geschichtswissenschaft. Gerade wenn dort auch kontroverse Themen der Zunft (des Wissenschaftsbetriebes) angesprochen werden können.
Der ideale Autor wäre ein Emeritus (dem keiner mehr kann) oder ein Freiberufler. Altmaoistische Vergangenheit ist weder Bedingung noch Hinderungsgrund.
.
Die FAZ zahlt ihren Autoren angeblich sogar Honorare. Und hat in ihrer Feuilletonsredaktion Leute sitzen, die der Geschichtswissenschaft nicht vollkommen ignorant und ablehenden gegenüberstehen.
Also wenn sich einer traut, soll er dort einfach mal anklopfen?

Tja, und man könnte weiter fragen, warum es niemanden gibt, der dort (in der FAZ) z.B. einen Blog über Zeitgeschichte betreibt.
Wenn Götz Aly, Gerd Koenen oder Karl Schlögel dafür zu gewinnen wären, dann könnte das vielleicht sogar funktionieren.

Habe immerhin das da gefunden:
http://faz-community.faz.net/blogs/antike/default.aspx
“Antike und Abendland”, ein Blog in der FAZ über die alte Geschichte. Der Autor, Uwe Walter, ist offenbar ein Emeritus.
Die Reaktionen sind auch dort nur bescheiden, dabei ist es immerhin die angesehenste deutsche Tageszeitung, und nicht irgendein Anzeigenblatt.
Vielleicht könnte man die Diskussion an konkreten Beispielen wie diesen führen.
Ansonsten komme ich mir hier vor wie bei der Jagd nach dem Yeti: Alle reden von ihm, keiner hat ihn je gesehen…

    Lieber Herr Erren, wie kommen Sie darauf, dass Uwe Walter Emeritus ist? Siehe: http://faz-community.faz.net/blogs/antike/about.aspx; die Reaktionen auf Uwe Walters Blog sind zum Teil durchaus beachtenswert, siehe z.B. unlängst den Eintrag zum 12.09.12: “Nochmals die Besiegten: von Livius zu Walter Benjamin”: http://faz-community.faz.net/blogs/antike/archive/2012/09/16/nochmals-die-besiegten-von-livius-zu-walter-benjamin.aspx

      Tatsächlich, geboren 1962!
      Sein Blog ist gar nicht so schlecht. Immerhin existiert es überhaupt!
      Und Walter will dort keine eigene Forschungsprojekte “verkaufen”, (weil er dringend einen Job braucht oder so), sondern schöpft “aus der Fülle seines Wissens”. Okay, den können wir zählen.
      ZEIT und SZ haben, so weit ich sehe, keinen Geschichtsblog.
      Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich glaube, so ein Blog ein grosses Potential haben (und weitaus besser laufen) könnte, als der von Uwe Walter.
      Aber man wird sich auch umgekehrt fragen müssen: Wenn es selbst bei der FAZ nicht besser läuft, warum sollten dann noch viel akademischere (lies: langweiligere) Texte an noch viel abgelegeneren Orten größere Beachtung finden?
      Reden wir doch darüber mal gleich am Anfang.

Grundsätzlich eine wunderbare Idee. Ich bin dankbar für den Hinweise auf diese wordpress-Erweiterung, die die abschnittsweise Kommentierung erlaubt. Es fällt allerdings auf, dass hier in typisch selbstreferentieller Manier alle Beiträge sich um das Medium drehen, das hier gerade ausprobiert wird. Wenn man in die klassischen humanities ausstrahlen will, sollten wohl auch klassische historische Beiträge aufgenommen werden. Trotzdem: Kompliment!

    Vollkommen richtig.
    Zehn lange Beiträgen darüber, wozu Blogs möglicherweise einmal taugen könnten, lese ich mir heute abend nicht mehr durch.
    Viel lieber wären mir 10 Beispiele für historische Blogartikel, aus denen sich dann tatsächlich eine rege Debatte entwickelt hat, deren Ergebnisse dann anschließend womöglich sogar in konventionellen und sichtbaren Publikationen (ZS-Artikel, Monographien, H-Soz-Kult-Rezensionen, Wikipedia-Artikel, etc.) aufgegriffen wurden.
    Wenn jemand zwei oder drei Links zu wirklich gelungenen Vorbildern legen kann (ich kenne keine), so könnte das der Debatte hier enorm helfen.

Zum Projekt

1 0

Das Projekt historyblogosphere. Bloggen in den Geschichtswissenschaften dokumentiert und reflektiert Geschichte, Bedeutung, Anwendung und Potential der geschichtswissenschaftlichen Blogosphäre.

2 0

Als ein Novum in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft entsteht es in einem offenen Arbeitsprozess, indem es Tools und Prozesse des Netzes einsetzt und eine kooperative Arbeitsweise in den Entstehungsprozess einbezieht.

3 0

Insbesondere findet ein Open Peer Review Prozess statt. Das Open Peer Review lief vom 10. Oktober 2012 bis 17. Dezember 2012. Die Beiträge und Kommentare sind weiter online.

4 0

Die Publikation wird zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2013 in hybrider Form sowohl digital als auch gedruckt beim Oldenbourg Verlag veröffentlicht.

5 0

historyblogosphere wird herausgegeben von Peter Haber und Eva Pfanzelter.

6 0

historyblogosphere ist ein Gemeinschaftsprojekt von: