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Zum Thema Kommentare siehe auch den Beitrag von Mareike König auf: http://rkb.hypotheses.org/290

Hier wären absolute Zahlen wichtig, um die Resonanz einschätzen zu können.

    Das würde mich auch interessieren.
    Gerade habe ich mal auf L.I.S.A. vorbeigesehen und war angenehm überrascht. Dort gibt es ja sinnvolle Texte zu relevanten Themen! (Abbau der Geisteswissenschaften in Österreich, Liquidierung der GEmäldegalerie in Berlin…).
    Aber auch dort leider, leider, KEINE Kommentare. Obwohl die Artikel und Themen es sicher verdient hätten. Der meistkommentierte Beitrag ist ein Video über die mittelalterliche Plattnerkunst (Rüstungsschmiede). Sehr interessant, aber auch sehr speziell.
    Das eigentliche Problem der Blogs liegt nicht bei ihnen selbst, sondern im Kommunikationsverhalten der Geisteswissenschaftler. Denen reichen die bisherigen Medien offenbar vollkommen aus und sie “brauchen keine Blogs”, und sie sind überhaupt ein wenig debattierfaul.

Georgios Chatzoudis: L.I.S.A. – kein klassisches Blog, aber voll und ganz digitale Wissenskommunikation

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1. Einleitung – Den digitalen Wandel als Herausforderung annehmen

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L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung ist kein klassisches Blog. Aber: L.I.S.A. integriert mehrere Features eines typischen Blogs – Einträge generieren, Einträge kommentieren, die Echtzeit-Interaktion mit anderen Teilnehmern usw. Außerdem ist jeder Nutzer eingeladen, innerhalb des Portals ein eigenes Blog zu führen. Die L.I.S.A.Redaktion sieht ihre Aufgabe in der Moderation des Portals, erstellt eigene Beiträge, die in der Regel aus journalistischer Perspektive erfolgen, und probiert neue Wege der Wissenskommunikation aus.

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L.I.S.A. ist nun gut zwei Jahre alt – in digitalen Zeitvorstellungen heißt das: erwachsen. Und dennoch begreift sich L.I.S.A. nach wie vor als Experiment. Ein Experiment, das seit Beginn neue Formen der wissenschaftlichen Kommunikation austestet, in der Überzeugung, dass der digitale Wandel vor der Wissenschaft, insbesondere auch vor den Geisteswissenschaften, nicht Halt machen wird. Im Gegenteil: Die Geisteswissenschaften laufen bei digitaler Abstinenz Gefahr, von der Entwicklung abgehängt zu werden, und verpassen dabei eine große Chance, die Veränderungen prägend und im eigenen Sinne mitzugestalten.

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Genau an dieser Stelle setzt L.I.S.A. ein: weltweit in einen offenen Dialog über Themen aus den Historischen Geisteswissenschaften zu treten. Interaktivität und Multimedialität sind dabei die Schlüsselbegriffe, d.h. wissenschaftliche Inhalte und Fragen mit anderen Wissenschaftlern aber auch mit einer interessierten Öffentlichkeit auszutauschen, unter Einsatz der heute gegebenen Vielfalt an medialen Darstellungsformen. Text, Podcast und Videos sowie daraus gebildete hybride Beitragsformen bieten den Geisteswissenschaften völlig neue Möglichkeiten, nicht nur um Themen und Inhalte darzustellen, sondern sie auch zu teilen.

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Nach mehr als zwei Jahren lässt sich eine erste Bilanz ziehen: Wer beteiligt sich an L.I.S.A.? Wie reagieren Wissenschaftler auf L.I.S.A.? Welche medialen Präsentationsformen werden genutzt – was bevorzugen Beitragende, was die Leser? Welche Beiträge finden ein Publikum? Welche Rolle spielt dabei der Einsatz Sozialer Netzwerke? Was lässt sich über den Grad an Interaktion sagen?

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Diesen und anderen Fragen soll nun im Folgenden nachgegangen werden.

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2. Wer ist L.I.S.A.?

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Der Name L.I.S.A. hat zwei Bedeutungen: Zum einen handelt es sich um ein Akronym, das aufgelöst für Lesen, Informieren, Schreiben und Austauschen steht – die Kerneigen- und -botschaften des Portals. Zum anderen erinnert der Name an die Gründerin der Gerda Henkel Stiftung, an Lisa Maskell (1914-1998), die 1976 die Stiftung im Gedenken an ihre Mutter Gerda Henkel in Düsseldorf gegründet hat. Ausschließlicher Stiftungszweck ist die Förderung der Wissenschaft, vor allem der Historischen Geisteswissenschaften. Seit ihrer Gründung hat die Gerda Henkel Stiftung weltweit knapp 6.000 Forschungsvorhaben mit rund 100 Millionen Euro unterstützt. Mit der Einrichtung des Portals L.I.S.A. stellt sich die Gerda Henkel Stiftung bewusst den Herausforderungen der neuen digitalen Realität für die Geisteswissenschaften.

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In der ersten Planungsphase stand die Überlegung, den Stipendiaten der Gerda Henkel Stiftung ein Intranet zur Verfügung zu stellen, damit sie sich dort vernetzen und austauschen können. Diese Ausgangsüberlegung ist noch vor dem Start des Portals am 23. Februar 2010 revidiert worden. Die Stipendiaten sollten nicht unter sich bleiben, sondern mit ihren Projekten an die Öffentlichkeit treten. Nach dem Launch des Portals häuften sich auch aufgrund der guten medialen Resonanz Anfragen von Interessierten, die bei L.I.S.A. mitmachen wollten. Inzwischen steht L.I.S.A. allen offen, die sich für Geschichte, Archäologie und andere geisteswissenschaftliche Disziplinen interessieren.

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Insofern setzt sich sie Zielgruppe des Portals sehr heterogen zusammen – sie reicht von Stipendiaten über Abiturienten, Studenten, Wissenschaftliche Mitarbeiter, Lehrbeauftragte und Lehrstuhlinhaber bzw. etablierte Hochschullehrer bis zum Naturwissenschaftler und technischen Ingenieur, der sich nebenbei für Themen aus den Historischen Geisteswissenschaften, wie beispielsweise Kunst- oder Rechtsgeschichte, interessiert. Ein Blick auf das Autorennetzwerk gibt einen Eindruck von der Vielfältigkeit der Mitglieder wieder.

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Um L.I.S.A. als Qualitätsinsel im uferlosen Internet zu etablieren, ist dem Mitmachportal eine Zentralredaktion zur Seite gestellt, die auf die Einhaltung von Qualitätskriterien achtet. Ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, die Beiträge nach Form und Gehalt zu prüfen. Sie ist es letztlich, die die Beiträge freischaltet. So wird verhindert, dass unsinnige oder unpassende Beiträge bei L.I.S.A. erscheinen. Allerdings stellt die Redaktion keinen wissenschaftlichen Beirat dar, der alle Inhalte auf ihre wissenschaftliche Richtigkeit überprüfen würde. Das soll sie auch nicht, denn L.I.S.A. ist keine wissenschaftliche Fachzeitschrift, die auch online zur Verfügung stünde, was wiederum dazu führt, dass im Portal inzwischen täglich neue Beiträge erscheinen. Denn Sinn und Zweck von L.I.S.A. ist es, über Themen aus den Historischen Geisteswissenschaften mit einer interessierten Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen. Bisherige Erfahrungen zeigen überdies, dass seit dem Start kein Beitrag abgelehnt werden musste.

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Die digitale Welt wird sowohl die Wissenskommunikation und als auch wissenschaftliche Arbeitsweisen verändern – wenn nicht sogar die Wissenschaft an sich. Warum? Digitale Kommunikationsformen haben in unseren Alltag inzwischen einen so wirksamen Einzug erfahren, dass diese Entwicklung an der Wissenschaft nicht spurlos vorbeiziehen wird. Die Frage ist daher nicht, ob der digitale Wandel die Wissenschaft beziehungsweise ihre Arbeitsweisen und Kommunikationsformen verändert wird, sondern vielmehr wie. Das ist aber noch nicht ausgemacht, sondern wird von allen Beteiligten derzeit rege verhandelt. Anders gesagt: Wer jetzt mitmacht, hat die Gelegenheit mitzugestalten. Als wissenschaftsfördernde Institution sieht die Gerda Henkel Stiftung darin eine große Chance, neue Formen der Wissenskommunikation auszuprobieren und weiterzuentwickeln.

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Die Entwicklung der Nutzerzahlen und Seitenaufrufe zeigt, dass sich digitale Medien auch bei spezialisierten Themen aus Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte oder Islamwissenschaften sehr gut für die moderne Wissenskommunikation eignen. Innerhalb von zweieinhalb Jahren haben sich die Besuchszahlen mehr als verdreifacht – Tendenz weiter steigend.

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3. Multimedialität – Text, Audio, Bild, Video und hybride Beitragsformen

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Das Portal erfüllt die aktuellen multimedialen Standards der digitalen Welt. Das heißt, L.I.S.A. verfügt zunächst über einen Blog, auf dem neue Beiträge aus Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte oder auch den Islamwissenschaften erscheinen. Die Inhalte bestimmen dabei Mitglieder der L.I.S.A.Community sowie die Redaktion, die sich mit eigenen Beiträgen beteiligt oder zum Verfassen neuer Einträge ermuntert. Die einfachste Form der aktiven Teilnahme ist dabei der „normale Beitrag“, der als Text, bebildert, vertont, in Form eines Videos oder als hybrider Beitragstyp, also eine Mischform aus unterschiedlichen medialen Elementen, erscheinen kann. Dabei gilt das Blogprinzip – der neueste Beitrag steht an oberster Stelle, bis der nächste und aktuellste Eintrag eingegeben wird. Wer möchte, kann Beiträge kommentieren.

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Neben dem Blog existiert ein eigener Videokanal – L.I.S.A.video – der alle Videos, die im Blog veröffentlich worden sind, umfasst und in vier Kanälen nach unterschiedlichen Beitragstypen sortiert: Dokumentationen, Vorträge, Interviews und Reportagen. Daneben besteht noch ein gesonderter Kanal, der geförderte Projekt-Dokumentationen der Gerda Henkel Stiftung beinhaltet. Die Idee dahinter: Wissenschaftler, deren Projekte von der Gerda Henkel Stiftung gefördert werden, haben ihre wissenschaftliche Arbeit selbst gefilmt. Vorausgegangen ist den Dreharbeiten eine mehrtägige Schulung der beteiligten Wissenschaftler in Kamera- und Videotechnik. Aus dem Rohmaterial, das die Wissenschaftsteams in mehreren Wochen gesammelt haben, sind anschließend professionell produzierte Projektvideos entstanden, die in Episoden veröffentlicht werden. Ziel war und ist es, die Arbeit beispielsweise eines Archäologen oder einer Kunsthistorikerin aus deren Perspektive zu erfahren. Die Forscherinnen und Forscher mussten sich also nicht an Drehbuch und Anweisungen einer Produktionsfirma halten, sondern sie waren Drehbuchautoren und Kamerateam in einem. Sie bestimmten, was gezeigt werden soll und was nicht. In einer ersten Staffel sind so achtzig Episoden entstanden. Die hohen Zugriffszahlen auf die erste Staffel und das positive Feedback seitens der beteiligten Wissenschaftler sowie aus der Online-Community waren der entscheidende Grund für die Auflage einer zweiten Staffel, die zurzeit veröffentlicht wird und in einem weiterentwickelten Format erscheint. Im Sinne einer wissenschaftlichen Vertiefung wird dem Tagebuch ein Generalinterview mit der wissenschaftlichen Projektleitung zur Seite gestellt, die Forschungsarbeit in einen breiten Kontext eingebettet, ein Schlüsselgegenstand der Untersuchung erklärt und das beteiligte Team präsentiert.

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In einer ersten Bilanz lässt sich über die mediale Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte durch Forschungsvideos folgendes festhalten:

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  • Wissenschaftsfilme finden auch und gerade im Netz ein interessiertes Publikum.
  • Forschungsvideos vermitteln wissenschaftliche Inhalte in lebendiger, anschaulicher und nachvollziehbarer Form, ohne dabei Seriosität einzubüßen.
  • Wissenschaftler müssen die Deutungshoheit über ihre Arbeit nicht an Redaktionen abtreten, sondern bestimmen selbst, was wie erzählt wird.
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Des Weiteren verfügt das Portal über Online-Vorlesungen oder -Vorträge, den sogenannten L.I.S.A.Lectures. Dabei handelt es sich um ausgesuchte Vorträge und Vorlesungen, die die Redaktion selbst aufzeichnet und nachbereitet. Dazu gehören auch die Expertenchats der Rubrik L.I.S.A.live, an der sich die Nutzer mit Fragen beteiligen können. Warum ist der Videobereich wichtig für ein Wissenschaftsportal? Anhand der Zugriffszahlen lässt sich feststellen, dass Experten im Video online sehr häufig nachgefragt werden. So ist beispielsweise die Aufzeichnung des L.I.S.A.live-Chats mit der Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Gudrun Kraemer bisher mehrere tausend Mal aufgerufen worden. Das heißt aber auch, dass Wissenschaftler über das Internet beziehungsweise über ihre Präsenz in wissenschaftlichen Webauftritten eine ganz andere Reichweite als in einem Hörsaal oder bei einer Podiumsdiskussion vor vielleicht hundert Leuten haben.

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Darüber hinaus werden in der Rubrik L.I.S.A.live neben Online-Chats Tagungen und Videointerviews live ins Netz gestreamt. Für die Nutzer des Portal ergibt sich dabei die Möglichkeit, das Geschehen von einem anderen Ort aus nicht nur zu verfolgen, sondern sich mit Fragen und Anmerkungen, per E-Mail, im Chat oder im L.I.S.A.Messenger aktiv zu beteiligen.

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Als besonders zielführende Kategorie und Beitragsform hat sich L.I.S.A.Interview erwiesen, an der sich die Multimedialität des Portals beispielhaft zeigen lässt. Interviews mit Wissenschaftlern bieten die Gelegenheit, auf aktuelle Fragen und gesellschaftliche Debatten relativ zeitnah mit Stimmen aus der Wissenschaft reagieren zu können. Dabei ist der zeitliche Aufwand für den angefragten Experten bei einem Interview im Vergleich zum Aufsatz oder Essay verhältnismäßig niedrig. Er entscheidet außerdem, ob er ein Text-, Audio- oder Videointerview geben möchte. Die Erfahrung hat bisher gezeigt, dass die Experten unterschiedliche Formate bevorzugen. Der positive Nebeneffekt: L.I.S.A. verfügt inzwischen über eine große Auswahl an Interviews in Form von Texten, Podcasts oder Videos. Eine weitere wichtige Erfahrung: Bisher hat kein angefragter Wissenschaftler der Redaktion eine Absage erteilt.

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4. Interaktivität – Erwartungen und Wirklichkeit

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Kernmerkmal von L.I.S.A. ist neben den multimedialen Beteiligungsmöglichkeiten das Potential an Partizipation und Interaktion. Das Grundverständnis von Interaktivität bedeutet zunächst einmal zweierlei:

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  1. Die User können Inhalte selbst bestimmen.
  2. Die User können auf die Inhalte anderer reagieren, beispielsweise in der Form eines Kommentars.
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Wer als Geisteswissenschaftler einen eigenen Blog betreibt, muss aber zunächst eine Enttäuschung überwinden: Die Zahl der (Nicht-)Kommentare führt häufig zum – verfrühten – Schluss, dass man doch nur für sich allein schriebe und von anderen so wie gar nicht wahrgenommen würde. In der Tat steht hinter den meisten Beiträge in Geschichts-, Archäologie oder anderen geisteswissenschaftlichen Blogs eine Null vor dem Wort „Kommentar“. Aber ist der Kommentar der alleinige und letztgültige Indikator dafür, ob ein Eintrag wahrgenommen und rezipiert wird? Die Erfahrungen mit L.I.S.A. zeigen neben dem oben angeführten Grundverständnis von Interaktion andere Deutungsmöglichkeit auf, die hier in wenigen Punkten und in Stichworten zusammengefasst wird:

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  1. Geisteswissenschaftliche Blogs sind in der Regel mit hochspezialisierten Themen und Fragestellungen verbunden.
  2. Nicht jeder Nutzer fühlt sich angesichts dessen berufen, einen Kommentar zu einem Thema zu verfassen, zu dem sie oder er nichts wirklich Substantielles beitragen können.
  3. Einen Beitrag zu lesen, ist auch eine Form der Interaktion und sollte nicht unterschätzt werden.
  4. Rezeption muss nicht zwangsläufig in Form eines Kommentars sichtbar werden und kann nach dem Leseakt auch woanders stattfinden, beispielsweise in einem Seminar oder in einer kleinen Runde am Stammtisch.
  5. Quer- und Weiterverlinkungen sind auch eine Form der Interaktion und möglicherweise für die Sichtbarkeit eines Beitrags von größerer Bedeutung als ein Kommentar.
  6. Das Verfassen und Einstellen eines eigenen Beitrags in einem Blog oder in einem Portal ist eine weitere Form der Partizipation und Interaktion.
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Seit dem Start am 23. Februar 2010 haben sich mehr als 500 Mitglieder registrieren lassen. Der wöchentliche L.I.S.A.Newsletter erreicht zurzeit mehr als 1.000 Abonnenten. Auch die Zahl der Beiträge ist nach zwei Jahren Laufzeit inzwischen deutlich gestiegen – aktuell verfügt das Portal über fast 700 Einträge. Interessant ist dabei, dass die Zahl der sogenannten Fremdbeiträge, also Beiträge, die nicht aus der Feder der Redaktion stammen, stetig wächst. Ein wichtiger Indikator dafür, dass L.I.S.A. nicht nur wahrgenommen wird, sondern lebendig ist, zumal in der Regel die Hürde, einen eigenen Beitrag zu verfassen, als eher hoch gilt.

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Zusammenfassend und grundsätzlich gilt: Ein Beitrag erfährt aus Erfahrung mehr Zuspruch, wenn er gut verfasst bzw. aufbereitet ist, das heißt: Mut zu einer griffigen Sprache und zum Medienwechsel beweist oder visuell ansprechend gestaltet ist – beispielswiese über Bilder Inhalte illustriert und anschließend intelligent beworben wird, insbesondere unter Verwendung sozialer Netzwerke.

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Als weitere goldene Regel scheint sich aus den Erfahrungen mit L.I.S.A. und aus der Beobachtung anderer ähnlicher Onlineangebote Folgendes herauszukristallisieren: Kein Overkill an Postings! Denn: Wer zu viel postet, wird irgendwann ignoriert, weil die User mit Informationen überhäuft und gleichsam überfordert werden – mit der fatalen Folge, dass eigene Beiträge irgendwann als lästig bzw. im schlimmsten Fall als Spam wahrgenommen werden. Wissenschaftliche Inhalte erfordern Zeit und Muße, um rezipiert zu werden.

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Eine besondere und ganz eigene Form der Interaktion im Netz bieten so genannte kollaborative Arbeitsplattformen. Mit L.I.S.A.teamwork stellt das Portal Wissenschaftlern die Möglichkeit zur Verfügung, sich zu einer Arbeitsgruppe zusammenschließen und untereinander in einem geschlossenen Bereich, zu dem nur sie Zugang und Einsicht haben, austauschen. Die Mitglieder einer Gruppe haben beispielsweise die Möglichkeit, Dokumente, Bilder oder auch Videos hochzuladen und zu archivieren. Sobald ein Bereich als abgeschlossen gilt, entscheiden die Mitglieder der kollaborativen Gruppe, ob, und falls ja, welche Dokumente für die Veröffentlichung freigegeben werden sollen.

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5. Netzwerken Soziale Netzwerke – Kooperationen

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Neben geschlossenen Netzwerken wie L.I.S.A.teamwork hat sich gerade die Partizipation an offenen Netzwerken als sehr förderlich für die Verbreitung und Anerkennung digitaler Wissenschaft erwiesen. Dabei gilt es zwischen zwei Formen der Vernetzung zu unterscheiden: Die Kooperation mit Bloggern und Redaktionen vergleichbarer Institutionen und Onlinepräsenzen einerseits und die Nutzung der bekannten und meistgenutzten sozialen Netzwerke andererseits.

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Um die Community des Portals zu erweitern und auch gezielt junge Menschen für Wissenschaft zu interessieren, unterhält L.I.S.A. eigene Auftritte bei Facebook, GooglePlus und Twitter. Mit dem nachweisbaren Effekt, dass die Reichweite der bei L.I.S.A. eingestellten Beiträge deutlich steigt. Anders gesagt: Soziale Netzwerke sind ein nicht zu unterschätzender Multiplikator für die Sichtbarkeit wissenschaftlicher Kommunikation im Netz. Ein Blick auf die Zahl der Follower zeigt, dass L.I.S.A. auch dort inzwischen gut rezipiert werden. Außerdem konnten über die Sozialen Netzwerke neue Userkreise erschlossen werden, die ohne Facebook, GooglePlus und Twitter womöglich nicht auf das Portal aufmerksam geworden wären.

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Darüber hinaus ist die Vernetzung mit anderen im Internet aktiver Wissenschaftseinrichtungen von großer Bedeutung. Zum einen verstetigt und verdichtet sich dadurch die Nutzung digitaler Onlineressourcen für wissenschaftliche Zwecke, zum anderen geben wissenschaftliche Institutionen mitsamt ihrem Renommee und Gewicht durch ihre aktive Beteiligung im Netz gute Beispiele dafür ab, dass digitale Wissenschaft nicht nur funktioniert sondern auch anerkannt ist – also ganz im Sinne von best practice.

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Eine dritte Form des networkings stellt für L.I.S.A. das eigene Autorennetzwerk dar. Die bisher mehr als 500 registrierten Mitglieder stellen unter anderem ihre Forschungsprofile vor und bieten Kontaktmöglichkeiten an. Das Autorennetzwerk dient somit auch als eine Art „Expertensuchservice“ und ist für die Redaktion zugleich ein großer Ideenpool für neue Themen. So sind beispielsweise zahlreiche L.I.S.A.Interviews mit Nachwuchsforschern über deren aktuelle Forschungsprojekte zustande gekommen.

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6. Fazit – Ein langer Weg erfordert Ideen und Ausdauer

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In den Geisteswissenschaften herrschen noch häufig Bedenken hinsichtlich des digitalen Wandels und den neuen Möglichkeiten in der Onlinekommunikation vor. Um Vorbehalte abzubauen und zu mehr Partizipation zu ermutigen, hält es die Gerda Henkel Stiftung als wissenschaftsfördernde Institution für wichtig, neue Wege der Wissenskommunikation auszuprobieren und aufzuzeigen. L.I.S.A. ist ein Beispiel dafür, dass der interaktive Austausch über wissenschaftliche Themen auch im Netz seriös und fruchtbar stattfinden kann.

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L.I.S.A. ist auch nach etwas mehr als zwei Jahren Laufzeit vor allem ein Experiment, an dem stetig an den Stellschrauben gedreht wird. Die Redaktion nimmt dabei gerne Anregungen von Nutzern auf, um beispielsweise die Navigation im Portal zu vereinfachen oder neue Rubriken und Kategorien einzurichten. So kam unter anderem der kollaborative Bereich L.I.S.A.teamwork zustande. Darüber hinaus gilt es, mit Neuerungen aus der digitalen Welt, so gut es geht, Schritt zu halten. Das ist bei der Geschwindigkeit, mit dem sich der digitale Wandel vollzieht, nicht einfach. Aus diesem Anspruch heraus ist aber unter anderem L.I.S.A.mobil hervorgegangen, eine Mobilversion des Portals für Smartphones und Tablets.

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Was bleibt noch zu tun? Die stetige Vergrößerung der wachsenden Gemeinde an Lesern, Beitragenden und Kommentatoren, die sich für geisteswissenschaftliche Themen einerseits und deren Vermittlung andererseits interessieren. Zielführend ist dabei vor allem eine stärkere und dichtere Vernetzung mit anderen verwandten Portalen und Webpräsenzen, neue Kooperationen anzuregen und bestehende auszubauen bzw. zu vertiefen, um vorhandene Kräfte zu bündeln und die Geisteswissenschaften im Netz weiter zu etablieren.

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Dabei lässt sich folgende Zwischenbilanz für die Wissenskommunikation ziehen:

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  • Wissenskommunikation sollte sich nicht nur auf die Fachleute beschränken, sondern auf ein breiteres und interessiertes Publikum aus sein.
  • Wissenskommunikation sollte keine Einbahnkommunikation sein, sondern den Dialog suchen.
  • Wissenskommunikation sollte sich die modernen technischen Möglichkeiten aneignen und den Medienwechsel wagen. Wissenschaftliche Inhalte müssen nicht nur schriftlich festgehalten werden, sondern eignen sich auch für Bild und Ton oder interaktive Live-Elemente.
  • Wissenskommunikation ist nicht gescheitert, wenn Beiträge kaum kommentiert werden. Wir wissen nicht, wo die Interaktivität wieder einsetzt. Wichtig ist in erster Linie, dass die Inhalte wahrgenommen werden.
  • Wissenskommunikation braucht Zeit.
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Zugrundeliegende und weiterführende Hinweise

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„Geisteswissenschaftler bevorzugen Zeitungen“ Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Medien, Interview mit Prof. Dr. Hans Peter Peters, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1802 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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„Wir brauchen mehr Experimentierfreude“, Interview mit Dr. Klaus Graf, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1791 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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„Zum Frühstück lese ich die Posts meiner Kollegen“, Interview mit Dr. Mareike König, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1752 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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Social Media oder Weblogs was passt besser zur Wissenschaft? Interview mit Prof. Dr. Christoph Bieber, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1735 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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„Das Internet ist ein wissenschaftliches Werkzeug“, Interview mit Dr. Anna Schreurs, Carsten Blüm und Thorsten Wübbena, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1541 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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„Jenseits der Technik. Zum status quo des digitalen Wandels“, Keynote von Dr. Stefan Münker, Videodokumentation zur Tagung „.hist2011 Geschichte im digitalen Wandel“, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/videos_watch.php?nav_id=2034 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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The sciences they are a-changing: Wie das Internet das Sozialsystem Wissenschaft verändert, Beitrag von Dr. André Donk, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1237 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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Zur Zukunft des wissenschaftlichen Bloggens. Ein Ausblick, Vortrag von PD Dr. Peter Haber, Videodokumentation zur Tagung „Weblogs in den Geisteswissenschaften“, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/videos_watch.php?nav_id=3796 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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„Öffentlichkeitsarbeit ist für Wissenschaftler Pflicht“, Interview mit Wenke Bönisch , abrufbar unter; http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=2032 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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„Das web2.0 ist mehr als nur ein Trend“, Interview mit Dr. Wolfgang Schulz, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=1751 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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„Im Netz zu publizieren, ist keine Generationenfrage“ Die Online-Publikationsplattform perspectivia.net, Interview mit Dr. Michael Kaiser, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/dossiers_show.php?nav_id=1243page=4 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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Quellenkritik vor der Zerreißprobe? Vom kritischen Umgang mit digitalen Ressourcen, Vortrag von Dr. Eva Pfanzelter, Videodokumentation zur Tagung „.hist2011 Geschichte im digitalen Wandel“, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/content.php?nav_id=3103 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)

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Wissenskommunikation im Netz Interaktivität als Herausforderung, Vortrag von Georgios Chatzoudis, Videodokumentation zur Tagung „Weblogs in den Geisteswissenschaften“, abrufbar unter: http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/videos_watch.php?nav_id=3595 (zuletzt eingesehen am 15.10.2012)