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Bei diesem Beitrag kommt man nicht um die Frage umhin, wieviel Insider-Wissen oder Vorwissen es gibt. Leider liest sich der Text zurzeit eher wie eine Reihe von locker zusammenhängenden Beobachtungen. Bitte den Text dringend umfangreich überarbeiten.

Es fehlen außerdem Verweise. So liest sich der Beitrag wie eine Sammlung von Alltagswissen.

Das ist ziemlich kompliziert formuliert und macht einige unreflektierte Unterstellungen. Kürzen?

In sich widersprüchlicher Absatz

Ich bin davon nicht überzeugt! Wo gibt es Verweise für diese Darlegung?

Das kann gekürzt und dadurch straffer formuliert werden.

Beim Verweis auf die Autoren in Klammer das Jahr.

Naja, aber edublogs ist doch ein Blog-Service, oder?

Ich vermisse hier die Verweise darauf, woher dieses Wissen stammt. So scheint es mir etwas willkürlich formuliert.

Sind das Erfahrungswerte? Worauf basieren diese? Gibt es hierzu Untersuchungen?

Die Verbindung zum vor-vorhergehenden Absatz muss besser dargestellt werden!

Dieser Absatz kann gekürzt werden

Die Tagung war doch der Launch des Projektes de.hypotheses.org!!
Der Rest des Absatzes kann gekürzt werden.

Das stimmt wohl nicht mehr ganz: siehe dazu Beitrag König/Pallaske hier in diesem Band

Dieser Beitrag muss sprachlich noch einmal genau überarbeitet werden. Auch: gendergerechte Sprache.

Woher stammt der Ausdruck A-Blogger, Verweis notwendig. Auch für die restlichen Aussagen hier … bitte Verweis anfügen.

Anregung zum Schlusssatz: Optimalerweise nicht nur illustrieren… #iconic_turn :)

Selbstbestimmtes Lernen ist m.E. keine Methode; denn man kann mit sehr unterschiedlichen Methoden lernen, und man kann auch mit Blogs ganz unterschiedlich arbeiten. Dass alles selbstbestimmt ist bzw. sein sollte, legt keine Methode fest.

Die ersten zehn Zeilen sind ungewöhnlich umständlich formuliert.
Besser wäre es, die Schwierigkeiten und die erhöhten Anforderungen zu beschreiben, ohne in jedem Satz erneut zu erwähnen, dass es dagegen Widerstände geben kann.

“Möglichkeit, das” dass (!)
“ihren Blog” bisher wurde Blog sächlich verwendet (bitte auf ein Genus festlegen!)

Ließen diese nahe liegenden Gedanken sich nicht schlichter formulieren?

statt “Bereitschaft mitbringen, dieses Instrument für die Lehre tatsächlich verwenden zu wollen”

besser: zu verwenden

“kann man die vorgestellte Katalogisierung dahingehend nutzen, dass den Studenten erläutert wird, welche verschiedenen Formen des Bloggens es gibt.”
Offenbar gemeint “Kategorisierung”.
Wie im weiteren Verlauf deutlich wird, glaubt der Autor aber selbst nicht an die Einteilung von Richardson und noch viel weniger daran, dass die einfacheren Formen des Bloggens keinen Stellenwert in der Lehre haben könnten.
Der Lehrende braucht also keine künstliche Kategorisierung von ineinander übergehenden Arten des Bloggens vorzustellen, sondern braucht nur seine Lernziele vorzustellen und zu erläutern, dass sie erst mit komplexerer Texterstellung und Kommunikation erreichbar werden.

“Methode Blog” sollte zumindest in Anfürungszeichen stehen. Schließlich ist ein Blog keine Methode, sondern ein Medium.

Markus Beek: Das Blog als didaktisches Instrument in den Geschichtswissenschaften – Überlegungen zu einer postmodernen Lernkultur

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Journalisten nutzen Weblogs für Recherchen und zur Verbreitung von Informationen. Unternehmen treten über sie in Kontakt mit ihren Kunden. Die großen Meinungsmacher im Internet, die so genannten A-Blogger, beziehen im Web Stellung und eine große Schar von Lesern interessiert sich für ihre Positionen in Politik, Wirtschaft und Kultur. Blogs finden mittlerweile eine breite Verwendung und Akzeptanz. Aber wie gestaltet sich die Situation in den Geschichtswissenschaften? Inwiefern könnte ein Weblog in der geschichtswissenschaftlichen Lehre überhaupt eingesetzt werden, damit Studenten tatsächlich etwas lernen?

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Pädagogen, aber auch andere Wissenschaftler, diskutieren bereits seit einigen Jahren intensiv über die Folgen des Online-Lernens. Einigkeit herrschte bei zahlreichen Forschern in der jüngeren Vergangenheit darüber, dass ein Blog ein „nützliches Instrument“ ist, wenn es um „das Erlernen des schriftsprachlichen Ausdrucks oder um die Einübung journalistischer Fähigkeiten geht“ (Lehmann 2005). Dies liegt wohl darin begründet, dass Dozenten sie in der Journalismus-Lehre rasch einsetzten und ihre Schüler früh mit diesem Instrument vertraut machten. Aber zahlreiche Wissenschaftler schätzen nach wie vor den „pädagogischen Mehrwert“ eines Weblogs gering ein oder erkennen keine überzeugenden Beweise für den sinnvollen Einsatz für Bildungszwecke (Lehmann 2005). Dass ein Bildungsmehrwert von Weblogs noch vor relativ kurzer Zeit kaum oder überhaupt nicht gesehen wurde, ist damit zu begründen, dass die Technik schneller voranschreitet als die Ermittlung der Möglichkeiten sowie des Einsatzes dieser neuen Technik. Die Verwendungsoptionen werden häufig erst zu einem späteren Zeitpunkt wahrgenommen. Den Kontrast zwischen der schnell voranschreitenden Online-Technik und der hinterher humpelnden Didaktik betonen etwa Seel und Ifenthaler ausdrücklich (Seel/Ifenthaler 2009, S. 107).

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Doch im Kontext des Internets konnten sich eine Menge neuer Formen des Online-Lehrens und –Lernens mittlerweile etablieren. Auch in der Zukunft werden mit hoher Sicherheit weitere Formate entwickelt, die sich ihren Platz in der digitalen Lernlandschaft erobern. Gleichwohl tut sich die Geschichtswissenschaft häufig noch schwer mit dem Einsatz von Weblogs und dem wissenschaftlichen Bloggen. Wobei allerdings einzuräumen ist, dass das Interesse an Weblogs in den Geisteswissenschaften stetig wächst. So veranstaltete etwa das Deutsche Historische Institut Paris in München am 9. März 2012 eine Tagung mit dem Titel: „Weblogs in den Geisteswissenschaften oder: Vom Entstehen einer neuen Forschungskultur“. Einhergehend mit der Entstehung einer neuen Forschungskultur ist zu vermuten, dass es zu einer neuen Lehr- und Lernkultur kommt. Weiterhin nutzen vermehrt Blogger mit wissenschaftlichem Anspruch das Portal http://de.hypotheses.org und melden ihr Wissenschaftsblog auf dieser Internetseite an, um mit einer immer größer werdenden Blogcommunity in einen wissenschaftlichen Austausch zu treten.

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Dieser Artikel untersucht das Blog als didaktisches Instrument näher und fragt: Wie kann ein Weblog als methodisches Instrument in der geschichtswissenschaftlichen Lehre eingesetzt werden? Ferner behandelt er die Fragestellung, welche neuen Erfahrungen in der Lehre und dem Lernen sich sowohl für Dozenten als auch für die Studenten durch ein Blog im Studiumsfach Geschichte ergeben. Hierbei erhält der Beitrag eine erwachsenenpädagogische Rahmung, wobei er das Konzept der „Ermöglichungsdidaktik“ nach Rolf Arnold aufgreift. Es stehen somit vorrangig drei Aspekte im Mittelpunkt der folgenden Betrachtung. Erstens, das Für und Wider einer Nutzung eines Blogs in der Lehre; zum zweiten das Problem, wie geschichtswissenschaftliche Inhalte sinnvoll und nutzbringend mit einem Blog gelernt werden, und drittens; wie sich ein Blog in eine neue Lernkultur einfügt. Dabei thematisiert der Aufsatz die Vorteile, aber auch die Nachteile der Methode Blog. Nach dieser Darstellung erfolgt zum Abschluss ein Urteil über die Funktionsmöglichkeiten des Blogs in der geschichtswissenschaftlichen Lehre.

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Was ist überhaupt „Bloggen“? Definition nach Will Richardson

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Wenn Studenten das Bloggen als Form des Lernens akzeptieren und in ihre Lernwelt einbinden, dann gilt es auch zu klären, wie Bloggen überhaupt funktioniert. Will Richardson, der sich bereits seit mehreren Jahren für den Einsatz von Neuen Medien an Schulen einsetzt, unterteilt das Bloggen im Wesentlichen in vier Kategorien: kein Bloggen, die einfache Form des Bloggens, das echte Bloggen und das komplexe Bloggen. Das bloße Posten von Aufgabenstellungen oder Links durch einen Dozenten oder das Eintragen von tagebuchähnlichen Vermerken sind nach Richardson kein Bloggen. Die Kommentierung von Links und die Abbildung von Lernverläufen auf einem Weblog stellen für ihn eine einfache Form des Bloggens dar. Erst eine tiefergehende Analyse, die Einbeziehung von Antworten durch die Leser von Blogeinträgen sowie ein kontinuierlicher Aufbau der Posts, die sich aufeinander beziehen, erzeugen ein komplexes Bloggen. Die Grenzen zwischen echtem und komplexen Bloggen bleiben bei Richardson unscharf, trotzdem können seine Überlegungen dazu dienen, das Bloggen im Zusammenhang des Lernens besser einzugrenzen (Richardson 2011, S. 57-58). Demnach ist auf der Stufe des komplexen oder echten Bloggens ein umfangreiches Lernen zu erreichen, weil dabei komplexe Inhalte erarbeitet und diskutiert werden. Diese hierarchische Einteilung verdeutlicht insgesamt, was das Bloggen leistet und welche Funktionen Blogs erfüllen.

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Aber die einzelnen Kategorien des Bloggens, so wie sie Richardson einteilt, sind nicht strikt voneinander getrennt zu betrachten, sondern sie ergänzen sich und bauen aufeinander auf. Eine unkommentierte historische Quelle, die auf einem Blog zur Verfügung gestellt wird, ist im Sinne von Richardson noch kein Bloggen. Für ihn handelt es sich dabei um das einfache öffentliche Publizieren einer Quelle. Allerdings können Dozenten ein Blog in einem ersten Schritt als Medium nutzen, um Quellen ihren Studenten zur Verfügung zu stellen. Außerdem bietet die einfache Form des Bloggens die Gelegenheit, wichtige Literaturangaben an die Studenten weiterzugeben. Ferner kann über ein Blog auch der Seminarplan bekannt gemacht werden. Der Dozent besitzt also einen großen kreativen Spielraum bei der Bereitstellung von unterschiedlichen Informationen. Des Weiteren haben Lehrkräfte auch die Chance zeitlich flexibel zu handeln. So können sie entscheiden, wann sie welche Inhalte bereitstellen wollen. Weiterhin besteht die Möglichkeit durch ein Weblog eine Transparenz des Lernstoffs herzustellen und wichtige Informationen dauerhaft bereitzustellen. Ferner gibt es die Gelegenheit die Anforderungen an eine Klausur oder eine schriftliche Hausarbeit offen darzulegen. Dadurch erhöht sich die Transparenz und Lernziele werden für die Studenten ersichtlich. Ein offener Lehrplan ist außerdem im Internet durch die Studenten immer wieder abrufbar, wohingegen ausgeteilte Handzettel häufig verloren gehen.

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Was bedeutet es nun nach Richardson zu „bloggen“? Wenn man es als umfassende sowie komplexe Aufgabe ansieht, dann ist es weit mehr als ein willkürliches Schreiben oder Posten von Links. Das Bloggen zeichnet sich durch die Kommentierung des Autors und der Leser aus und besteht im Wesentlichen in einer interaktiven Kommunikation zwischen diesen beiden Instanzen. Studenten können dadurch lernen, ihre Thesen und Meinungen auf schriftliche Weise zu verteidigen. Bloggen bedeutet weiterhin eine interaktive Kommunikation mit einer bestimmten Intention. Wenn man ein Blog in der Lehre einsetzt, dann sollte es effektives und sinnvolles Lernen ermöglichen. Dabei ist es wichtig, dass ein konkretes Lernziel, eine bestimmte Aufgabe oder Fragestellung vorgegeben oder durch den Studenten selbstständig geklärt ist. Für den Einsatz von Blogs in der wissenschaftlichen Lehre kann man die vorgestellte Katalogisierung dahingehend nutzen, dass den Studenten erläutert wird, welche verschiedenen Formen des Bloggens es gibt. Die unterschiedlichen Stufen des Bloggens sind innerhalb von Lehr-Lern-Prozessen miteinander kombinierbar und nicht strikt voneinander zu trennen. So könnten zu Seminarbeginn die Studenten dazu aufgefordert werden, eine besonders interessante Internetseite zum Thema zu recherchieren und auf diese zu verlinken. Nach einem Einstieg in das Thema, ließe sich dieses weiter bearbeiten und so die Stufe des komplexen Bloggens erreichen.

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Möglichkeiten und Grenzen Blogs in der Lehre

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Grundvoraussetzung für die Nutzung eines Weblogs innerhalb der Lehre ist, dass sowohl Dozenten als auch Lernende es als Lernform akzeptieren. Dozenten müssen die notwendige Bereitschaft mitbringen, dieses Instrument für die Lehre tatsächlich verwenden zu wollen. Weiterhin ist das Blog nur eine Methode unter vielen anderen und darf nicht mit Erfolgserwartungen überfrachtet werden. Lernprozesse sind immer individuell und eine Erfolgsgarantie für das Lernen mithilfe des Internets und hier im speziellen Fall des Blogs gibt es nicht (Böhner/Mersch 2010, S. 242-243). Weil das Bloggen vor allem ein freies Arbeiten ermöglicht, sind Studenten von den Vorteilen eines unabhängigen und selbstgesteuerten Lernens zu überzeugen. Dies bedeutet, dass sie bei der Bewältigung von Aufgaben mehr auf sich selbst gestellt sind. Gleichfalls müssen Lehrkräfte ihnen die dafür notwendige Freiheit einräumen. Die Voraussetzungen für eine freie und selbstständige Art des Lernens sind durch den Dozenten zu Beginn eines Seminars zu erläutern. Weiterhin helfen Lehrkräfte durch eine konstruktive Begleitung, dass das selbstständige Lernen erfolgreich zur Umsetzung kommt. Dazu sollten Hochschullehrer die Bereitschaft mitbringen, bei Problemen und Fragen erreichbar zu sein. Somit erfordert ein selbstgesteuertes und selbstorganisiertes Lernen gewisse Kompetenzen des Lerners, aber auch des Lehrers.

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Doch welche Kompetenzen sind durch das Blog erlernbar und welche konkreten Chancen ergeben sich? Studenten üben durch das Betreiben eines Blogs, Zeitabläufe genau zu planen. Außerdem fördert es eine hohe Selbstmotivation und Aufmerksamkeitskontrolle, die aufgrund eines selbstorganisierten Lernens vorhanden sind. Weiterhin ist die Fähigkeit der Selbstreflexion gefordert sowie die Bereitschaft Hilfe einzuholen, wenn ein unerwartetes Hindernis auftritt. So müssen sich die Lerner selbst motivieren, immer wieder neue Artikel anzufertigen, und ihre Arbeitsabläufe eigenständig entwerfen. Einem bestimmten Thema müssen sie ihre Aufmerksamkeit entgegenbringen und es auch gleichzeitig kritisch reflektieren. Es besteht die Möglichkeit, das Hausarbeiten, Bachelor- und Master-Thesen sowie Doktorarbeiten in Weblogs vorgestellt und auch nach Abschluss der Arbeit aktualisiert werden können. Die begrenzte Zeit während eines Seminars oder einer anderen Qualifizierungsphase ist somit nicht mehr entscheidend für eine Diskussion. Studenten können nach Seminarende miteinander kommunizieren und debattieren – auf ungeklärte Fragen lassen sich auf diesem Wege doch noch Antworten geben. Außerdem können Blogs in einer Gruppe gestaltet werden, wodurch ein soziales Lernen innerhalb einer Gruppe erfolgt. Ferner lockern Blogs das Thema auf und ermöglichen neue Formen der Interaktion. Weiterhin erlauben sie die Verbindung mit anderen Bloggern, die an ähnlichen oder derselben Thematik arbeiten. Experten können auf diesem Wege direkt von Studenten angesprochen werden, ob diese sich dazu bereit erklären, einen Beitrag für ihren Blog zu verfassen. Des Weiteren sind die technischen Möglichkeiten eines Blogs bei der Bereitstellung von Inhalten zahlreich. Studenten können neben Texten zum Beispiel auch Filme, Audiodateien und Bilder einbinden. Schließlich spricht für die Nutzung eines Blogs generell, dass es aufgrund der leichten Einrichtung keiner besonderen Computerkenntnisse bedarf. Sie sind somit schnell erstellt und einfach in der Bedienung. Schließlich kann durch den Einsatz von Weblogs eine Verknüpfung mit anderen Internetdiensten stattfinden, wodurch der Umgang mit diesen technischen Diensten erlernt wird. Der Einsatz eines RSS-Feedreaders ist etwa unbedingt zu empfehlen, wenn man nicht den Überblick über neue Einträge bei Weblogs verlieren will. Aber auch Twitter eignet sich für einen kombinierten Einsatz mit Blogs.

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Diesen zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten widersprechen zwar einige kritische Ansichten, die aber dem Bloggen im Unterricht nicht den Weg versperren. Das Blog kann nicht alle Lernstile unterstützen und von Lernenden als Lernmethode abgelehnt werden. Weiterhin ist eine Qualitätssicherung aller Beiträge schwierig zu gewährleisten und erfordert einen hohen Einsatz der Lehrkraft. Denn hierfür muss vor allem der Dozent sorgen, der aufgrund von Zeitmangel dieser Aufgabe vielleicht nicht hinreichend nachkommen kann. Ferner müssen alle Teilnehmer eines Seminars über einen Internetzugang, und somit über die notwendige technische Ausrichtung verfügen. Des Weiteren sollte auch stets die Option bestehen, dass ein Blog wieder gelöscht werden kann, wenn ein Projekt abgeschlossen ist oder der Betreiber – aus welchem Grunde auch immer – die Daten gelöscht sehen will. Außerdem ist darauf zu achten, dass sich die Studenten von der großen Menge an Daten nicht überfordert fühlen, die ihnen das Internet für ihre Aufgaben bereitstellt. Sie müssen also den Umgang mit Informationen aus dem Netz sowie die Filterung und kritische Bewertung dieser Informationen gründlich einüben. Dies sollten sie auch bei der Handhabung mit anderen Medien lernen, und ist nicht alleine auf das Internet zu beschränken. Schließlich erfolgt der Einsatz von Blogs als Lernmethode noch ohne eine eigene Fachdidaktik, die für den Unterricht genutzt werden könnte. Wenn es jedoch als Methode zum Einsatz kommt, dann sollte es zielgerichtet verwendet werden. Somit sind Entscheidungen über das Ziel des Lernens sowie über die Themenwahl und den Inhalt zu treffen. Damit bedeutet didaktisches Handeln hier schlicht, dass ein Rahmen für das Lernen festgelegt und der Entschluss über den Einsatz der Methode Blog getroffen wird.

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Edublogs und Unterrichtsblogs im Einsatz

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Mittlerweile haben sich Edu- und Unterrichtsblogs an einigen deutschen Schulen und auch unter Studenten etabliert und finden breite Einsatzmöglichkeiten. So gebrauchen Lehrer, Schüler und Studenten Blogs häufig als öffentliches Tagebuch, um ihre Lernfortschritte zu dokumentieren, oder auch als Austauschforum. Diese Form des Austauschens oder Dokumentierens fördert in erster Linie den Umgang mit der relativ jungen Technologie. Zwar nutzen Schüler und Studenten die neuen Möglichkeiten und kennen die vielfältigen Funktionen eines Blogs, aber es mangelt an einer professionellen Einbindung in den Unterricht.

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Es gibt bereits Überlegungen, wie Blogs in der Lehre zum Einsatz gebracht werden können. Ein „Planungsraster zum Einsatz von Weblogs in der Lehre“ stellten Mostafa Akbari, Tim Schmidt und Christian Spannagel zusammen. Die Autoren beschreiben darin die Möglichkeiten des Einsatzes und behandeln zentrale Aspekte, die bei einem Blog in der Lehre unbedingt zu beachten sind. Neben den technischen sind dabei rechtliche Aspekte zu berücksichtigen, die etwa das Kopieren von Texten und ihre Bereitstellung betreffen. Das „Planungsraster“ gibt eine Anleitung, was bei der Erstellung eines Weblogs zu beachten ist und wofür sie eingesetzt werden können. So nennt es im Einzelnen fünf Bereiche: Wissensmanagement-Werkzeug, Lerntagebuch, E-Portfolio, Diskursmedium und Erwerb von Medienkompetenz. Auf die Frage, wie sich Inhalte durch ein Blog tatsächlich lernen lassen, liefert auch das „Planungsraster“ keine Antwort.

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Aber wie können nun geschichtswissenschaftliche Themen durch Weblogs gelernt werden? Im oberen Abschnitt wurden Möglichkeiten aufgezählt, wie Lehrer ein Blog einsetzen können. Wird ein Oberthema durch den Dozenten vorgegeben, wählen Studenten im Rahmen eines Seminars ein Thema und bearbeiten es. Neben der kommunikativen Interaktion – der Diskussion über einen Sachverhalt besitzt ein Weblog den Vorzug, fachliche Inhalte ansprechend zu veranschaulichen. Innerhalb einer Lehrveranstaltung ist zu klären, wie ein Thema präsentiert und strukturiert werden kann. Biographien können zum Beispiel durch Bilder, historische Hintergrundberichte und einzelne Quellen erarbeitet werden, wobei Studenten eine Struktur erarbeiten. Neben Biographien lassen sich historische Strukturen und Prozesse mittels Blogs darstellen. Zum Thema Verkehrsgeschichte und Infrastruktur ist zum Beispiel der Abbau von Schienenwegen anhand von Kartenmaterial zu verdeutlichen. Daran anschließend entwickeln Studenten Antworten, weshalb es zu einer solchen Entwicklung kam. Dazu können verschiedene wissenschaftliche Meinungen ausgewertet, präsentiert und schließlich diskutiert werden. Ferner ist eine Erörterung von geschichtswissenschaftlichen Fachbegriffen möglich. Dazu stellen Studenten aus verschiedenen Quellen Definitionen zusammen, die dann auch in der Lerngruppe zur Diskussion stehen. Aktuelle Streitfragen aus geschichtlichen Fachjournalen lassen sich sammeln, auf den Punkt bringen und schließlich im Internet diskutieren. Dadurch können wissenschaftliche Trends erkannt und beschrieben werden. Schließlich ist es denkbar, dass in einer Seminargruppe jeder Einzelne sich einen Historiker heraussucht und sein Hauptwerk erläutert. Diesen Schilderungen können Bilder und weitere Hintergrundinformationen hinzugefügt werden.

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Die Methode Weblog ermöglicht es, dass Studenten sich selbstständig Fragestellungen, Inhalte und Lösungen erarbeiten. Ein wichtiges Lernziel ist dabei, die Lernenden in die Lage zu versetzen, ihr Lernen zeitlich, ortsungebunden und eigenständig zu strukturieren. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Inhalte innerhalb eines Blogs mit eigenen persönlichen Bewertungen herausgearbeitet werden. Ein Geschichtswissenschaftler findet Fragestellungen, auf die er Antworten nach einer gründlichen Recherchearbeit gibt. Dabei knüpft der Historiker an sein vorhandenes Wissen an. Das komplexe Bloggen imitiert diese Arbeitsabläufe und macht die Ergebnisse öffentlich. Studenten können somit mithilfe eines Blogs geschichtswissenschaftliches Arbeiten im Umfeld des Internets erlernen. Dabei ist zunächst eine bestimmte geschichtswissenschaftliche Fragestellung vorhanden, welche ein Student bearbeiten möchte. Danach folgt eine Phase des selbstgesteuerten Lernens, wobei der Student an seine Vorerfahrungen anknüpft. Schließlich präsentiert er seine Lösung, die dann wieder als Start einer Diskussion dient. Der Lehrer begleitet die Phasen und versucht Lernmotivation und Lernbereitschaft zu erhalten sowie Orientierung zu bieten.

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Resümee

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Ein Weblog ist Werkzeug, das für den Unterricht genutzt werden kann, und gleichzeitig eine Methode, weil es die Arbeitsweise festlegt. Es bietet neben den kommunikativen Möglichkeiten besonders Raum für die Präsentation von fachlichen Inhalten. Blogs stellen eine große technische Möglichkeit innerhalb der Lehre dar. Aber nicht die Technik ist es, die im Mittelpunkt von Lehr-Lern-Prozessen steht, sondern der Mensch. So ist das technische Hilfsmittel Weblog nur eine unter unzähligen anderen Methoden, die Lernen ermöglichen kann. Ein Blog bleibt unproduktiv, wenn es keiner konkreten Lern-Zielsetzung untergeordnet ist. Wird es als ein solches Mittel für das Lernen genutzt, dann kann es dabei helfen, ein eigenständiges und ergebnisoffenes Lernen zu gewährleisten. Es ist festzuhalten, dass „Lehrende, die bewusst problembasiertes oder kooperatives Lernen anstreben, suchen und nutzen […] die entsprechenden Werkzeuge wie Foren, Wikis oder Blogs, für Kooperation und Diskussion.“ (Kerres u. a. 2010, S. 154-155)

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Rolf Arnold beurteilt die Möglichkeiten des Web 2.0 als nicht neu, aber er konstatiert, dass Bildung sich dadurch entgrenzt und flexibler gestaltet. (Arnold 2010, S. 292-293) Ein Blog dient als technologisches Instrument beim Erlernen von Selbstorganisation, Reflexion und Verantwortungsbewusstsein. So geht ein Blogger etwa die Verpflichtung mit sich selbst ein, dass sein Blog möglichst aktuell bleibt. Es sind somit übergreifende Kompetenzen, die sich gerade nicht auf geschichtswissenschaftliche Sachverhalte beschränken, wenn die Methode Blog für den Lehr-Lern-Einsatz gewählt wird. Aber die Präsentations- und Diskussionsmöglichkeiten im Hinblick auf geschichtliche Inhalte sind ohne Frage zahlreich. Historische Themen lassen sich in besonderem Maße mit Hilfe eines Blogs bearbeiten und dies führt dazu, dass sich Studenten mit Geschichte befassen und sich mit ihr in unterschiedlichen Formen auseinandersetzen. Es bietet sich gerade zu für die Veranschaulichung von historischen Inhalten an. Briefe, Siegel, Bücher, Zeitungsausschnitte, Bilder, Filmausschnitte, Auszüge aus Reden, Karten, Münzen und noch viele weitere prägnante Quellen und Objekte lassen sich in ein Blog zu Präsentationszwecken miteinbinden und illustrieren beigefügte Texte.

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Ein Weblog kann ein Teil einer neuen Lernkultur innerhalb der Geschichtswissenschaften sein, weil es die Vernetzung fördert, geschichtliche Themen neu arrangiert und eine neue Lernaktivität beschreibt. Es bleibt offen, wie ein Lernender sein Wissen zu einem historischen Sachverhalt strukturiert und wie er es behandelt. Was Studenten konkret aus ihrer Fragestellung machen und wie sie diese bearbeiten, bleibt ihnen im Lernprozess überlassen. Damit produzieren sie eigenes Wissen und steuern ihr Lernverhalten. Sie reproduzieren nicht das Wissen oder die Erkenntnisse, welche die Lehrperson gerne hören möchte. Vielmehr ist es die Aufgabe des Dozenten innerhalb einer neuen Lernkultur für erwachsene Studenten als Lernbegleiter zu fungieren; Lernprozesse zu verfolgen und zu reflektieren, die von den Studenten in die eigene Hand genommen und gesteuert werden. Das Wort Didaktik ist am besten im Kontext des Blogs nach seiner etymologischen Herkunft mit „sich aneignen“ zu übersetzen, und impliziert damit ein aktives Lernen. Auch der Dozent lehrt aktiv, weil er seine vorgegebenen Erkenntnisse – seine eigenen Lernvorstellungen und –ergebnisse – nicht zum einzigen Maßstab nimmt, sondern sich immer wieder auf das „Abenteuer Lernen“ einlässt. Der Dozierende wird dadurch zum Mitlerner, wodurch sich auch die Hierarchie zwischen Lernenden und Lehrkraft zu einem Teil aufhebt. Dadurch kommt es zu einer entscheidenden Verschiebung bzw. Umorientierung: Lehrziele sind Lernzielen untergeordnet. Es geht nicht mehr um eine geschichtswissenschaftliche Lehre, sondern um ein geschichtswissenschaftliches Lernen.

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Literaturliste

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Mostafa Akbari/Tim Schmidt/Christian Spannagel: Ein Planungsraster zum Einsatz von Weblogs in der Lehre, in: Ulrike Lucke u. a. (Hrsg.): Workshop Proceedings der Tagungen Mensch Computer, DelFI 2008 und Cognitive Design 2008, Berlin 2008, S. 305-310.

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Rolf Arnold: Porträts und Konzeptionen zur Erwachsenenbildung. Studienbriefbrief. EB 0110 des Master-Fernstudiengangs Erwachsenenbildung der TU Kaiserslautern. Unveröffentlichtes Manuskript. Kaiserslautern 2010.

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Rolf Arnold/Gabi Reinmann: Digitale Lernwelten: Annäherungen an die Zukunft. Eine Diskussion, in: Kai-Uwe Hugger u. a. (Hrsg.): Digitale Lernwelten. Konzepte, Beispiele und Perspektiven. Wiesbaden 2010, S. 287-293.

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Marina Böhner/André Mersch: Selbststudium und Web 2.0, in: Kai-Uwe Hugger u. a. (Hrsg.): Digitale Lernwelten. Konzepte, Beispiele und Perspektiven. Wiesbaden 2010, S. 228-244.

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Michael Kerres/Jörg Stratmann/Nadine Ojstersek/Annabell Preußler: Digitale Lernwelten in der Hochschule, in: Kai-Uwe Hugger u. a. (Hrsg.): Digitale Lernwelten. Konzepte, Beispiele und Perspektiven. Wiesbaden 2010, S. 141-156.

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Burkhard Lehmann: Weblogs – New Kids on the „Blog“, in: Burkhard Lehmann u. a. (Hrsg.): Referenzmodelle und Praxisbeispiele. Online-Pädagogik Bd. 3. Baltmannsweiler 2005, S. 108-118.

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Will Richardson: Wikis, Blogs und Podcasts. Neue und nützliche Werkzeuge für den Unterricht. Überlingen 2011.

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Norbert M. Seel/Dirk Ifenthaler: Online lernen und lehren. München 2009.